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05-10-09

Jetzt wird juristisch für den Abriss des Krümmeler Wasserturms gekämpft

Vattenfall nicht an neuen Sympathien Geesthachts interessiert


Allerlei Pflanzen haben auf der Turmspitze ein helles Plätzchen gefunden, für die marode Substanz des Turmes allerdings weniger ideal. Fotos: Dagmar Koschek

Um sich ein Bild der Lage zu machen, verfügte Richterin Barbara Napirata einen Vor-Ort-Termin am Wasserturm, begleitet von einer großen Gruppe involvierter Personen.

Geesthacht (dk) – Mit großer Spannung wurde der Vor-Ort-Termin am Krümmeler Wasserturm durch interessierte Bürger Geesthachts und den Vereinsmitgliedern des Förderkreises Industriemuseum Geesthacht e.V. erwartet. Denn der marode Turm, der Anfang des vergangenen Jahrhunderts im Zuge der Erweiterung der Nobel´schen Dynamitwerke entstanden ist, hat großen historischen Wert und sollte – trotzdem er jahrelang dem Verfall preisgegeben wurde – erhalten werden.

Doch wie es immer so ist, Eigentümer Vattenfall, auf dessen Gelände der Wasserturm steht, möchte sich dieses kostenintensive Projekt keinesfalls als Klotz ans Bein hängen, die Stadt Geesthacht möchte ebenfalls nicht für weitere, nach der Sanierung entstehende Unterhaltskosten aufkommen, während die Mitglieder des Fördervereins natürlich stark für den Erhalt des »Sinnbilds für Geesthachts Industriegeschichte« plädieren. Das Gerangel entstand Ende der neunziger Jahre, als das Landesamt für Denkmalpflege den Turm unter Denkmalschutz stellte, der damaligen Eigentümerin Hamburger Elektrizitätswerke (HEW) plötzlich klar wurde, was da auf sie zukommen würde und Widerspruch gegen die Unterschutzstellung einlegte. Dieser wurde allerdings vorerst abgewiesen, dann aber im Jahre 2001– aus wirtschaftlichen Gründen – stattgegeben. Doch dann ging der Turm mit dem gesamten Gelände in Vattenfalls Eigentum über, die schließlich 2008 eine Fristverlängerung der Abbruchgenehmigung forderte.

Doch durch das öffentliche Interesse, in das der Turm dank der Bemühungen des Förderkreises Industriemuseum inzwischen gelangt war, war zwischenzeitlich bereits ein Gutachten zur Rettung des alten Wasserturms durchgeführt worden, das einen Erhalt als durchaus lohnenswert erachtete.

Allerdings sprengen die Sanierungs- und vor allem die dann entstehenden Unterhaltskosten sämtliche Haushaltskassen, denn allein die Grundsanierung würde sich auf 1 Million Euro belaufen. Ein Ausbau zu einem Veranstaltungsort würde eine weitere Million Euro verschlingen. Kurz und schmerzlos für Vattenfalls Kassen wäre also somit ein Abriss, den jedoch Denkmalschützer und Bürger Geesthachts vehement ablehnen. Aus diesem Grunde klagt die Firma Vattenfall gegen den »Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg«, worauf durch Amtsrichterin Barbara Napirata ein »öffentlicher« Erörterungstermin am 1. Oktober am Wasserturm festgelegt wurde, bei dem jedoch nur Vorschläge unterbreitet und keine Entscheidung gefällt wurde. Der entscheidende Termin wird wohl der 4. November werden, dann könnte entschieden werden, wie mit dem Turm verfahren wird.

Unverständlich bleibt allerdings immer noch die Tatsache, dass ein ausländischer Konzern, der trotz hoher Ausfälle im Jahre 2008 immerhin noch mehr als eine Milliarde Gewinn einstreichen konnte, sich für die Vernichtung eines der schönsten Denkmäler Schleswig-Holsteins stark macht, und damit der bereits schon seit Jahren angeschlagenen Sympathien der Geesthachter Bürger erneut verlustig geht.



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