01-09-09
Bleihaltige Luft in Geesthacht
Von Gabriele Kasdorff
Geesthacht – »Man weiß nur wohin man geht, wenn man weiß woher man kommt«: Dr. Volker Manow, 1. Stadtrat der Stadt Geesthacht, findet diese Worte bei der Begrüßungsrede im GeesthachtMuseum! zur Einweihung der historischen Buchdruckerei von 1891. Sein Dank gilt allen ehrenamtlich Engagierten und natürlich dem Leiter des Museums Wolf-Rüdiger Busch.
Busch sprach in seiner informativen und unterhaltsamen Begrüßungsrede von »bleihaltiger Luft in Geesthacht«. Wolf-Rüdiger Busch zitierte frei nach Lichtenberg: »Mehr als das Blei in den Gewehren, hat das Blei der Setzkästen die Welt verändert, das gilt heute mehr denn je!« Und berichtet, dass Adolf Flügge 1891 die erste Druckerei in Geesthacht gründete, das Verlags- und Druckereigebäude existiert noch heute. Hier wurden unter anderem die ersten Ausgaben des von Kurt Viebranz gegründeten Geesthachter Anzeiger gedruckt.
»Eine besondere Bedeutung für unsere Stadt hat die ehemalige Druckerei Matzke«, würdigte er insbesondere Ilse-Marie Matzke. Aus deren Besitz stammt die älteste Druckmaschine, ein fußpedalbetriebener Trettiegel, der nun in der Historischen Buchdruckerei des GeesthachtMuseum! zu sehen ist. »Für kleinere Druckaufträge kann der Trettiegel benutzt werden, also wenn sie Einladungen oder dergleichen bei uns drucken lassen wollen…«, schmunzelt der Leiter des Museums und hofft, dass Gruppen und Schulklassen dieses Angebot reichlich nutzen werden. Als Dank für die Realisierung dieses einmaligen Projektes überreichte er zinnerne limitierte Platten, die die Front des Krügerschen Hauses zeigen, an die Familien Flügge und Matzke sowie an Helmut Knust, Dr. Volker Manow, Claudia Leschik, Katrin Krups und Günter Schoß.
Hans-Jürgen Flügge wusste noch einige heitere Geschichten aus den Familien Flügge und Matzke zum Besten zu geben, die bei den zahlreich erschienenen Gästen für Heiterkeit sorgten. So soll es eine jahrzehntelange Feindschaft zwischen den konkurrierenden Familien gegeben haben, deren Höhepunkt in einer Heirat gipfelte. Unglücklicherweise hatten sich ein junger Mann und eine junge Frau der verfeindeten Familien verliebt und gegen den Willen aller geheiratet. Inzwischen haben sich die Familien wieder angenähert, wenngleich eine enge Freundschaft nicht entstanden sei.
Nach diesen amüsanten Anekdoten nahm Hans-Jürgen Flügge den fußbetriebenen Trettiegel in Betrieb und druckte vor den staunenden Augen der Anwesenden kleine Schriftstücke. Der Trettiegel steht in der Mitte einer ehemaligen Garage hinter dem Krügerschen Haus, und deren Wände sind mit Fundstücken der Druckerkunst versehen. Lange Reihen von bleiernen Lettern sind in ordentlich sortierten Setzkästen zu bewundern. Neugierige Hände greifen bei der Vorführung immer wieder zu dem einen oder anderen Stück.
Während draußen für musikalische Unterhaltung gesorgt ist, wird Hans-Jürgen Flügge im Innern der Garage immer wieder zu unterschiedlichen Themen befragt, so zum Beispiel nach dem »Schweizer Degen«. »Ein Schweizerdegen ist ein Mann, der setzen und auch drucken kann«, berichtet er in Erinnerung schwelgend. Der Schweizerdegen ist ein Schriftsetzer und Buchdrucker in Personalunion.
Ilse-Marie Matzke schaut dem Treiben lächelnd zu. Sie wird von ihrer extra aus Berlin angereisten Tochter begleitet und gesteht mit leisem Stolz: »Ja, es ist schon etwas ganz Besonderes, dass der Trettiegel jetzt im Heimatmuseum steht und wieder seiner Bestimmung zugeführt wird.«