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13-10-09

Premiere im kTS: Konjunktur für eine Leiche!

 


Die alte Dame Claire Zachanassian (Suzanne Andres) redet über die Vergangenheit, dahinter ihr siebter Ehemann (Puppe von Anetta Antosik) und der Butler (Erika Döhmen). Fotos: Gabriele Kasdorff

Claire Zachanassian (Suzanne Andres) sinnt über alte Zeiten nach, dahinter der Butler (Erika Döhmen) und Alfred Ill (Helmut Gentsch).

Geesthacht (gak) – Brillant, diese Inszenierung des Dürrenmatt Klassikers »Der Besuch der alten Dame« im Kleinen Theater Schillerstraße (kTS) von Ulrich Jacobi lässt sich nicht anders beschreiben. Hier stimmte einfach alles. Bereits in der Pause sagte eine Dame: »Großartig, dass wir in Geesthacht so etwas erleben dürfen.« Die sechs Schauspieler, die alle gleichermaßen facettenreich gespielt und im Handlungsablauf ihre Gesichter und Charaktere auf irritierende Weise variiert haben. Ulrich Jacobi hat die Zuschauer im Studio des kTS in das Bühnengeschehen einbezogen, sie werden zu den Bürgern Güllens.

Wird anfangs die Sympathie eher den geschundenen armen Güllenern zuteil, so kann sich der Zuschauer der Faszination der Claire Zachanassian (Suzanne Andres) und ihrem ausdrucksstarken Spiel nicht entziehen. Von Rachegelüsten getragen, verfolgt sie unbeirrt aller Bitten des Bürgermeisters (Roland Peek) und des Lehrers (Marco Mehring) ihren Plan. Das beeindruckende Muskelspiel des Polizisten (Rolf Bach) kann sie auch nur kurz zu einem Lächeln bringen.

Einige Figuren des Stücks hat Ulrich Jacobi durch Puppen ersetzt, dies scheint nicht aus Platzmangel geschehen zu sein, sondern verstärkt die Bedeutungslosigkeit dieser Figuren, sie werden nur benutzt. Claire Zachanassian befördert so mit einem kräftigen Schwung ihren siebten Ehemann in die Kulisse »Geh zu Deinen Fischen«. Meisterhaft ist die Gestaltung der Puppen durch Anetta Antosik. Alfred Ill (Helmut Gentsch) erlebt wohl die größte Veränderung im Laufe des Spiels. Erst der siegessichere listige Krämer, der die junge Claire durch seine Schmeicheleien wieder zum Leben erwecken will, dann verängstigt und von Furcht durchsetzt, bangt er um sein Leben.

An einem Schauplatz ihrer vergangenen Liebe treffen sich Claire und Alfred zufällig. Fast scheint es ,als würde die harte, nach ihrer ganz eigenen Art von Gerechtigkeit strebenden Lady weich werden, als sie auf der Gitarre ein Lied für ihren Geliebten spielt. Weich werden ihre Züge und sanft der Tonfall: »Ich habe Dich damals wirklich geliebt.« Dennoch, sie will den Tod Ills und nur dann werden die Millionen fließen. Die innere Umkehr der Bürger hat Ulrich Jacobi durch gelbe Schuhe sichtbar werden lassen. Nach und nach bemerkt so der Zuschauer den Wandel, bis schließlich alle, selbst Ills Frau (Erika Döhmen) die teuren neuen Schuhe tragen und es schließlich keinen anderen Weg als den Tod Ills geben kann. Ill erkennt seine Schuld, findet sich mit seinem Schicksal ab.

Im Studio des kTS verließ die Spannung keine Sekunde den Raum, jede neue Wendung wurde atemlos verfolgt. Nur unterbrochen durch das entspannende Gelächter, welches immer wieder aufbrandete. Eine hinreißende Inszenierung mit einem Ensemble, das jeder Großstadtbühne alle Ehre machen würde.

Tosender und nicht enden wollender Applaus war der Lohn für alle Beteiligten.

Wer bei der Premiere nicht dabei sein konnte, sollte sich die folgenden Aufführungstermine notieren: 21./24./31. Oktober, 7./14./20./21./26. November oder 5./11. Dezember.



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