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04-08-09

»Händeschütteln ist noch so drin"

 


Dr. Ulrike Müller und Dr. Frank Templin: Strenge Hygiene als oberste Regel im Kampf gegen das um sich greifende A/H1N1-Virus.Foto: Olaf Kührmann

Von Olaf Kührmann

 

Geesthacht - Dr. Frank Templin, Ärztlicher Direktor des Johanniter-Krankenhauses Geesthacht, und Dr. Ulrike Müller, Oberärztin in der Frauenklinik des Johanniter-Krankenhauses und Hygienebeauftragte der Klinik, kommen mit ausgestreckten Händen auf den Besucher zu. Die beiden sind freundliche Menschen und wollen den Besucher so begrüßen, wie es in Deutschland üblich ist: mit einem kräftigen Händeschütteln. »Das ist noch so drin«, lacht Templin, ist sich mit seiner Kollegin der neuen Situation aber sehr bewusst: »Wir haben uns im Johanniter- Krankenhaus bereits sehr zielgerichtet auf A/H1N1 – die »Neue Grippe« oder auch Schweinegrippe – eingestellt.«
»Noch hatten wir keinen Patienten mit Symptomen der »Neuen Grippe«. Aber alle Mitarbeiter unseres Hauses sind sehr gut präpariert«, bestätigt auch die Hygienebeauftragte. Gleich bei zwei Veranstaltungen seien die Mitarbeiter der Aufnahme, Pfleger, Schwestern und Ärzte über den aktuellen Stand der Pandemie unterrichtet worden. Müller: »Wir haben Pandemiepläne für unsere Mitarbeiter aufgestellt.« Grundlage dafür seien Einschätzungen des Robert-Koch-Instituts in Berlin.

 
»Das Robert-Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Das RKI ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention und damit auch die zentrale Einrichtung des Bundes auf dem Gebiet der anwendungs- und maßnahmenorientierten biomedizinischen Forschung. Die Kernaufgaben des RKI sind die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten, insbesondere der Infektionskrankheiten«, beschreibt das Institut seine zentralen Aufgaben.


Die Bevölkerung empfinde die »Neue Grippe« als erhebliche Bedrohung, trotzdem gebe es keinen Grund zur Panik, sagt Ulrike Müller. Chronisch Kranke, Diabetiker, Lungen-, Herz-Kreislauf-, und Krebskranke sollten die so genannte Schweinegrippe allerdings ernst nehmen und besonders die für alle Menschen geltenden hygienischen Grundregeln beachten. Dazu gehöre es, gegenwärtig auf das Händeschütteln zu verzichten, sich öfter als sonst, die Hände zu waschen und möglichst Massenveranstaltungen, bei der die Viren leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden können, zu meiden.


Symptome der »Neuen Grippe« seien Fieber über 38,5 und weitere körperlicher Beschwerden, wie sie auch während einer »normalen« Grippe, der saisonalen Influenza, auftreten können. »Meistens ist alles nach einer Woche vorbei, oft auch ohne Behandlung mit so genannten Neuraminidasehemmern, also hochwirksamen Medikamenten«, sagt Müller.


Das Johanniter-Krankenhaus in Geesthacht, in dessen Einzugsgebiet etwa 70.000 Einwohner leben, sei in der komfortablen Situation, mit einem Labor direkt in der Stadt zusammenarbeiten zu können. »Schnelltest eventuell Erkrankter können wir also ohne Umwege in Geesthacht analysieren lassen«, sagt Hygienebeauftragte Ulrike Müller. Allerdings rät sie davon ab, ohne ärztliche Beratung zu einem derartigen Test zu gehen: »Man kann nicht mal eben einen Schnelltest machen, nur weil man sich gerade nicht gut fühlt.« Dem Schnelltest würden zwei weitere Tests folgen. Müller: »Außerdem müssen die getesteten Personen aus Gründen des Infektionsschutzes gemeldet werden. Und das kann Isolation, auch von Kontaktpersonen des Getesteten, bedeuten.«
Das Johanniter-Krankenhaus habe »die Wege gebahnt«, vom separaten Raum, in dem der Abstrich vorgenommen werde bis hin zum Meldeverfahren. Müller: »Wenn nötig, werden wir für diesen Bereich auch einen separaten Eingang eröffnen.« Frank Templin, der Ärztliche Direktor, sieht das Haus sowohl vom Personal als auch von den Räumlichkeiten her gut gerüstet, falls es im Herbst zu einer Ausbreitung der »Neuen Grippe« kommen sollte: »Meistens werden die Patienten wieder nach Hause geschickt und dort isoliert. Doch wir haben die Möglichkeit, auch mehrere Schweinegrippe-Patienten separat im Krankenhaus zu behandeln.«


Doch so weit ist es noch nicht. Und es muss vielleicht auch gar nicht dazu kommen, dass die Pharma-Konzerne noch astronomischere Gewinne mit »Tamiflu« und »Relenza« – den bereits genannten Medikamenten – machen können. Durch einfache hygienische Maßnahmen lässt sich die Schweinegrippe vielleicht ein wenig in Schach halten. »Obendrein rate ich noch dazu, an der jährlichen Grippeschutz-Impfung teilzunehmen, um einen gewissen Schutz aufzubauen«, sagt Dr. Ulrike Müller.


Und da die 25 Millionen Impfdosen, die die Bundesregierung bestellt hat und deren Wirksamkeit noch niemand beschreiben kann, ohnehin für viele Menschen nicht vorgesehen sind, bleibt es uns nur, ausgestreckte Hände stur zu ignorieren und mit Grausen an die nächste Wasserrechnung zu denken.



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