15-09-09
Pfeilschnell an die Weltspitze
Geesthacht (gak) – »Ohne den Rückhalt und die Unterstützung meiner Familie und insbesondere meiner Frau Britta, hätte ich es nicht geschafft«, erkennt Michael Müller an. Voller Stolz berichtet er von seinem Sieg bei der Deutschen Meisterschaft der Bogenschützen. Vor wenigen Tagen wurde diese in Karlsruhe ausgetragen, 100 Teilnehmer, davon 86 am Start, eine starke Konkurrenz.
Carsten Engelbrecht, der 1. Vorsitzende der Geesthachter Schützengesellschaft von 1895, bei der Gratulation: »Du bist unser sportliches Aushängeschild. So ehrgeizig wie Du bist, wirst Du weiterhin in Deinem Leistungssport erfolgreich sein und wir wünschen Dir für 2012 den Sieg.«
Michael Müller hat als Bogenschütze fast alles erreicht. Bei den Para-Weltmeisterschaften in Tschechien holte er Bronze im Team und den 8. Platz in der Einzelwertung. Seit 2002 ist er im Kader der Deutschen Nationalmannschaft, war bester Deutscher bei der Weltmeisterschaft.
Und dabei hatte alles einen eher tragischen Anfang. Nach einem schweren Autounfall 1995 musste der aktive Volleyballer sich mit seinem Handicap arrangieren und entschied sich beim Rehasport für das Bogenschießen. Der Beginn einer nicht enden wollenden sportlichen Karriere. Michael Müller: »Mir war von Anfang an klar, dass ich Bogenschießen als Leistungssport betreiben wollte, mit allen Konsequenzen.« Die Familie wurde bei der Entscheidung beteiligt. »Das ist auch erforderlich«, gibt der Sportler zu bedenken, »denn immerhin trainiere ich 20 Stunden wöchentlich, überwiegend am Wochenende und die vielen Fahrten zu den Wettkämpfen kosten auch viel Zeit.« Während er das sagt, sieht er ausgesprochen zufrieden und glücklich aus. Nach seinem Erfolgsrezept befragt antwortet er ernsthaft: »Training, Talent und Fleiß sind zwingend notwendig. Fit halte ich mich mit Fahrradfahren und Krafttraining.«
Die Wettkämpfe gehen über mehrere Stunden und mindestens 72 Pfeile werden dabei abgeschossen. Bedenkt man, dass diese Geschwindigkeiten bis zu 300 km/h erreichen, wird überdeutlich, welche Kraft und Konzentrationsanstrengung dahinter stecken. »Der erste Pfeil muss genau so sitzen wie der letzte«, erklärt Michael Müller seinen Erfolgsweg. Seine sportlichen Ziele sind die Europameisterschaft 2010 und natürlich die Paralympics 2012 in London. »Wenn es zeitlich eng werden sollte, werde ich mich nur noch für den Leistungssport mit Handicap entscheiden«, lächelt er. Seine Vereinskollegen der Geesthachter Schützengesellschaft sind sich sicher: »Michael schafft es bis ganz nach oben auf das Treppchen in London.«