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19-01-10
Christoph Burmester zum ersten Ältermann gewählt
Lauenburg (ud) – Der Leitspruch der Lauenburger Schifferbrüderschaft von 1635 ist in dem auch heute noch vorhandenen schweinsledernen Buch von 1687 aufgeschrieben.
Dort steht vermerkt: Freunde in der Noht, gehen 20 auf ein Loht, sollte es aber ein harter Stand sein, so gehen woll hundert auf ein Quäntlein. Mit diesem Spruch verdeutlichen die Schifferbrüder ihren Gemeinschaftssinn. In den Notzeiten der Pest wollten sie es nicht hinnehmen, dass ihre Kameraden und deren Familienangehörigen würdelos zu Grabe getragen wurden. Sie gründeten mit der Schifferbrüderschaft eine Sterbekasse, aus der Sarg und Begräbnis bezahlt wurden. Diese Tradition bewahren sich die Lauenburger Schifferbrüder bis heute. Nach wie vor verpflichten sich die Mitglieder bei ihrem Eintritt in die Gilde, ihre Toten zu Grabe zu tragen.
Der Verein hat es verstanden, traditionsbewusst, aber auch zukunftsorientiert, die Wirren der Zeit zu überstehen. Lauenburgs Bürgermeister Harald Heuer lobte in seiner Ansprache zur Mitgliederversammlung den Weitblick des Vereins. Durch die Öffnung nach außen sei es gelungen, eine konstante Mitgliederzahl zu erhalten, so Heuer. Jeder Schifferbruder kann die Patenschaft für einen Gast übernehmen, der dann im nächsten Jahr vor der geöffneten Lade um Aufnahme bitten darf. In diesem Jahr waren es vier neue Mitglieder, die manierlich angezogen und ohne Kopfbedeckung beim noch amtierenden ersten Ältermann Joachim Budnik erschienen und um Aufnahme in die älteste Gilde der Stadt baten. Die geöffnete Lade schreibt gutes Benehmen, weder Alkohol- noch Zigarettenkonsum und korrekte Kleidung der Schifferbrüder vor. Wer dagegen verstößt, wird mit Strafe belegt. Die Schifferbrüder führen aber bei Weitem kein todernstes Vereinsleben. Hilfsbereitschaft und Kameradschaft untereinander werden groß geschrieben, und wer sich mal zu den schwungvollen Bällen der Schifferbrüderschaft hat einladen lassen, der wird feststellen, dass die Schifferbrüder es hervorragend verstehen, ausgelassen und ausdauernd zu feiern. Zur diesjährigen Jubiläums-Jahreshauptversammlung waren alle 137 Schifferbrüder, die Chefin des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bettina Kalytta und Kreispräsident Meinhard Füllner als Ehrengäste sowie Vertreter aus Vereinen und Verbänden und der Gemeinde Hohnstorf geladen. Der Vorstand hatte anlässlich des Jubiläums beschlossen, die im Elbschifffahrtsmuseum ausgestellten Fahnen von 1840 und 1865 nachmachen zu lassen, um die Motive auch in Zukunft zu erhalten. Das Besondere an beiden Fahnen ist nicht nur die Darstellung der typischen Schiffe. Auf ihnen sind auch Besatzungsmitglieder dargestellt. Pastor Andreas Schoer, der einige Worte zur Vorstellung der neuen Fahnen sprach, deutete diese ungewöhnliche Darstellung als Symbol für die feste Gemeinschaft der Brüderschaft.
Die Schifferbrüder wählten Christoph Burmester in das Amt des ersten Ältermannes. Er löst seinen turnusmäßig ausgeschiedenen Vorgänger Joachim Budnik ab. Zweiter Ältermann wurde Ernst-Wilhelm Schulze. Noch eine Neuerung gab es, die Ralf Eckhoff, der 27 Jahre lang die Lustige Person der Gilde war, teils mit Wehmut erfüllte. Er übergab sein anstrengendes Amt an Frank Fischer. »Ich hätte gern noch die 30 Jahre vollgemacht, aber die Gesundheit geht nun einmal vor«, so Eckhoff. Mit seinem Nachfolger hat die Schifferbrüderschaft einen hoch motivierten jungen Mann gefunden, der zwar selber kein Schiffer, aber als echter Lauenburger Jung aus einer echten Schifferfamilie stammt. Seine Lebensgefährtin, Claudia Schuldt, ebenfalls aus einer Lauenburger Schifferfamilie, begleitet schon seit Jahren die Lustige Person beim Überbringen der Neujahrsgrüße.
Die Verbindung der beiden sympathischen Lauenburger krönt Söhnchen Maximilian, der beim Kindertanz begeistert durch den Mosaiksaal flitzte. Erstmals begleiteten Lehrer der Weingartengrundschule die Kinder der dritten und vierten Klassen, die alljährlich von der Lustigen Person am Freitagmorgen von der Schule abgeholt werden. Gemeinsam zog die muntere Gruppe durch die Stadt und forderte, wie schon seit vielen Jahrzehnten, Süßes vor den Häusern der Schifferbrüder und der Geschäftsleute Lauenburgs mit lauten Hurra-Rufen. Eltern hatten Bedenken, dass den Kindern etwas passieren könnte. Die Schifferbrüderschaft hofft, dank des Engagements der Lehrer, wieder mehr Kinder zur traditionellen Teilnahme gewinnen zu können. Polizei, die Clowns mit ihren Gehorsamshölzern und die Lehrer sorgten dafür, dass die Kinder unbeschadet ihren Spaß hatten.
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