17-08-10
Pulverdampf und Kriegsgeschrei wie vor 197 Jahren
Lauenburg erlebte Geschichte hautnah auf Originalschlachtfeld
Lauenburg (ud) – Am Wochenende stand Lauenburg ganz im Bann der Kampfaktionen von 1813. Der Historiker Dr. Carsten Walczok hat es wieder geschafft, in Zusammenarbeit mit dem Verein Napoleonik, rund 200 Darsteller von Kultur- und Traditionsvereinen nach Lauenburg einzuladen, um die Schlacht von 1813 auf dem Originalkampfplatz westlich vor dem Ortsschild der Stadt nachzuspielen. Im Fürstengarten hatten die Akteure so authentisch wie möglich ein Biwak aufgebaut und zeigten den Besuchern gern, wie die Soldaten vor 197 Jahren gelebt haben könnten. Vom Wundarzt bis zur Marketenderin Brigitte Reh, die mit ihrer kleinen Tochter Angelina an der Hand über offenem Feuer die Suppe für die Soldaten kochte, war alles vertreten. Auch der Heimatbund- und Geschichtsverein Lauenburg hatte es sich nicht nehmen lassen und war, in den Trachten der Lauenburger Treidelschiffer, im Biwak vertreten. Sie hatten sich Noten von Liedern wie: »Mariechen saß weinend im Garten« und Ähnlichem besorgt und sangen mit Gitarrenbegleitung.
Günter Franke ist ein Militärdarsteller, der auf dem Lauenburger Event als französischer Soldat auftrat. Auf die Frage: Warum gerade diese Form von Freizeitgestaltung antwortete er: »Ich hab einen recht stressigen Beruf als Hochbautechniker. In der Rolle des französischen Soldaten, der mit Begeisterung nicht nur kämpft, sondern auch singt und tanzt, kann ich hervorragend abschalten«, erzählt er und spießte sich genussvoll einige Bratwürste auf den Säbel, um sie auf der Erde sitzend im offenen Feuer zu grillen. So wie ihm gehe es vielen, die dieses Hobby ausleben. Umso mehr der Beruf fordert, umso lieber schlüpfen viele der Mitglieder von Kultur- und Traditionsvereinen in historische Rollen, sich grundlegend von ihren wirklichen Lebensbereichen unterscheiden. Dabei werden sie häufig von der ganzen Familie begleitet, wie im Biwak immer wieder zu beobachten war. Auch das wiederum ist so, wie es einst bei den kämpfenden Truppen tatsächlich war.
Frauen mit ihren Kindern zogen mit, wenn ihr Ernährer in den Krieg musste. Sie verdingten sich als Marketenderinnen oder versorgten die Verletzten. Auch die Kinder fanden Arbeit, erläuterte Dr. Carsten Walczok.
In seiner Schlussbilanz sprach der Historiker dem Bauhof der Stadt ein großes Lob aus. Die Zusammenarbeit mit dem Bauhofteam und ihrem Chef Gerhard Tarinowski war super und problemlos. Das könne man leider nicht so vom Tourismusbüro der Stadt sagen. Von dort sei keine Resonanz auf die Veranstaltung gekommen. Lediglich die Werbefalter durften dort deponiert werden. Auch Renate Thiedemann (SPD), die als Vertreterin des Bürgervorstehers offiziell am Gefecht teilnahm, erzählte von vielen Bürgern, die sie angesprochen hätten und nachfragten, warum alles so schlecht ausgeschildert und vonseiten der Stadt nicht beworben sei.
»Viele Lauenburger sind der Meinung, dass man aus solch einem Event, das die Stadt vonseiten der Akteure doch kaum etwas kostet, etwas Tolles machen kann. In anderen Städten wird so etwas ganz groß aufgezogen und zieht Tausende Zuschauer und Gäste an. Warum funktioniert das in Lauenburg nicht?«
Für Conni Zimmermann vom Verein Napoleonik waren die rund 500 Zuschauer bei der Schlachtdarstellung vor Lauenburg dann trotz allem eine positive Entwicklung. »Es waren schon deutlich mehr als 2008 und auch das Biwak war recht gut besucht.«