16-07-10
Schutzäcker für Artenvielfalt
Langenlehsten (gak) – Ein Herz für den Naturschutz und die Artenvielfalt haben die Eheleute Natascha und Eckhard Jürgens-Dietz aus Langenlehsten seit über 20 Jahren. Statt den 190 Hektar (1.900.000 Quadratmeter Fläche) großen Hof zu bewirtschaften, entschloss sich die Familie, Stilllegungs- und Extensivierungsverträge mit dem Land Schleswig-Holstein zu vereinbaren. Gestern weihte Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf in Fortkrug in der Gemeinde Langenlehsten die Flächen mit seltener Ackerbegleitflora als »Schutzacker« im Rahmen des bundesweiten Projektes »Hundert Äcker für die Vielfalt« ein.
Bis 1989 waren die Felder mit der üblichen Fruchtfolge (Kartoffeln, Gerste, Roggen) bewirtschaftet, zusätzlich wurden Bullen als Mastvieh gehalten. 1704 entstand der Hof »Krug an der Fort«, indem er vom adligen Gut Gudow abgetrennt wurde. Familie Dietz ist seit 1931 die dritte Familie auf dem Hof und dies nun in dritter Generation. 1989 stellte der studierte Landwirt dem Land 117 Hektar zur Verfügung, davon etwa 10 Hektar für Flachwasserbiotope, Froschteiche und Knicks. »Alle drei Jahre werden die Äcker seit 1999 umgebrochen, und so konnten bereits fünfzehn Arten, die auf der roten Liste stehen, in ihrem Fortbestand gesichert werden weitere fünf Arten wurden entdeckt, die vom Aussterben bedroht und zwei, die stark gefährdet sind«, berichtete Eckhard Jürgens-Dietz. Der Lämmersalat, die Sand-Strohblume und der Gelbe Hohlzahn sind nur einige von ihnen. »Die Verträge laufen noch weitere zehn Jahre, und natürlich hoffen wir auf eine Fortsetzung«, sagte der engagierte Naturschützer.
Die Schutzäcker in Fortkrug gehören zum EU-Vogelschutzgebiet »Langenlehsten«, in dem die Heidelerche, die Grauammer und die Wachtel Lebensraum gefunden haben. »Wir brechen jährlich ein Drittel der Bodenflächen im zeitigen Frühjahr um, damit die Heidelerche geeignete Offenbodenstellen zur Brutzeit findet«, erläuterte Eckhard Jürgens-Dietz. Amphibien haben sich auf diesem Areal ebenfalls angesiedelt. Seine große Liebe zu Bäumen hat der Hofbesitzer von seinem Großvater geerbt. Dieser pflanzte in den fünfziger Jahren einen Mammutbaum in der Nähe des denkmalgeschützten Hofgebäudes. Inzwischen sind 99 weitere Bäume hinzugekommen, die das Ehepaar in den letzten zwanzig Jahren angepflanzt hat. Das Arboretum (lat. arbor »Baum«) umfasst kostbare Seltenheiten wie die Persische Eiche, die Goldeiche, einen Urwaldmammutbaum, Ginkgobaum und einen derzeit wunderschön gelb blühenden Tulpenbaum.
»100 Äcker für die Vielfalt« ist ein bundesweites Programm zur Errichtung von Schutzgebieten für Ackerwildkräuter. Insgesamt sollen mindestens 100 Schutzäcker in der Bundesrepublik eingerichtet werden, sie sollen für eine Wiederausbreitung der ursprünglichen Artenvielfalt fungieren. Der Hof von Familie Jürgens-Dietz ist der zweite in Schleswig-Holstein, der sich diesem Projekt angeschlossen hat. »Wir haben uns über die Anerkennung gefreut, als wir vom Ministerium gefragt wurden«, sagte der Hofbesitzer. Gestern weihte Umweltministerin Dr. Juliane Rumpf die Sandäcker der Familie Jürgens-Dietz östlich vom Fortkrug ein. Aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume nahmen an dem feierlichen Akt zahlreiche Mitarbeiter teil, ebenso die Bürgermeister aus den umliegenden Gemeinden sowie die Projektkoordinatoren Dr. Thomas van Elsen und Diplom-Biologe Frank Gottwald. »Der Hof Fortkrug ist ein gutes Beispiel dafür, wie durch gezielte und behutsame Landbewirtschaftung besondere Leistungen und Erfolge auch im Naturschutz erbracht werden können«, lobte Landwirtschaftsministerin Rumpf die Familie Jürgens-Dietz.