abstandshalter abstandshalter Kurt Viebranz Verlag - gut aufgelegt seit 1961
abstandshalter
Kopfgrafik eins abstandshalter Kopfgrafik zwei abstandshalter Kopfgrafik drei
abstandshalter
abstandshalter
21-11-06

Wenn mölln aktuell in die Luft geht…

 



(rg.) »Wir treffen uns an der Aral – und dann fahre ich voran!« Mit diesen Worten beginnt ein Abenteuer, das mich im Nachhinein immer noch strahlen lässt. Als ich am Sonntagmittag auf die Tankstelle fahre und neben dem Anhänger mit dem eigentümlichen Fluggerät halte, staune ich immer noch, dass ich mich auf diesen Wahnsinn eingelassen habe. Ein riesiger Propeller am Heck des Motor-Gleitschirms erinnert mich an die Boote der Everglades und das Vehikel davor an ein Trike.

Und das Ding soll fliegen? Natürlich habe ich so etwas schon über Mölln herumsegeln sehen, aber... Uwe Andersen und ich machen uns auf den Weg nach Giesensdorf bei Ratzeburg. Dort hat ein Landwirt bereitwillig seine Wiese für Start und Landung zur Verfügung gestellt. »Könnte etwas holperig werden«, geht es mir durch den Kopf, als ich auf das kurz geschnittene Gras fahre und Uwe Andersen einen Windsack am Stahlrohr in den Boden steckt, um zu sehen, in welche Richtung wir starten müssen. Einmal umparken, den Motorgleitschirm vom Anhänger ziehen und in die hoffentlich richtige Richtung stellen... Uwe Andersen, seit über zehn Jahren erfahrener Hobby-Pilot, wird schon wissen, was er tut. Aber ob ich es weiß? Nun ja, helfen kann ich nicht – weder beim Auspacken des 35 Quadratmeter großen Schirmes, noch beim Sortieren der verwirrenden Schnüre.

Also versuche ich, einen guten Eindruck zu machen und achte nicht auf das etwas mulmige Gefühl, das langsam Richtung Knie wandert. In meinem Overall, den Uwe Andersen netterweise für mich eingepackt hat, fühle ich mich wie das Michelin-Männchen, mein Helm mit Mikrofon und Kopfhörern lässt zumindest ahnen, dass es dort oben laut werden könnte. Auf den Sitz krabbeln, Beine und Arme sortieren und bloß nicht das Kabel vom Kopfhörer genau wie die Kamera einklemmen, Sicherheitsgurt anlegen und dann macht es sich mein (Gott sei Dank erfahrener) Pilot bequem. Fünfzehn Liter Benzin verbraucht unser Flieger in der Stunde – ob das bisschen Sprit, das da oben in dem Behälter dümpelt, wohl reicht? Die Verständigung klappt und ich höre das Dröhnen des Propellers hinter mir – der Motor muss auf Temperatur gebracht werden. Daumen hoch und wir fahren, hoppeln, schlingern von rechts nach links und... sind schon in der Luft!! 

Atemberaubend – einfach frei und unbeschreiblich dieses Gefühl, auf Autos, Kühe, Häuser und die Seen zu schauen. Und das aus dieser Höhe! Keine kleinen Fensterchen, aus die man mit langem Hals hinausschauen könnte und dankbar ist, wenn sich der Flieger etwas zur Seite neigt, damit man einen Blick auf Felder und Wiesen erhaschen kann. Nein – ohne Netz und doppelten Boden segeln wir seitlich an Ratzeburg vorbei über die B 207 Richtung Mölln. Mein Blick ist verschleiert – ich hätte meine Sonnenbrille aufsetzen sollen, denn die Geschwindigkeit liegt immerhin bei etwa 70 Stundenkilometern. Der Wind treibt mir die Tränen in die Augen, Hände und Gesicht fühlen sich eisig an – aber meine Kamera kann ich gerade noch halten. Hören kann ich Uwe Andersen nicht, mit Handzeichen verständigen wir uns über »toller Blick«, »diese Richtung bitte« oder »ich geh tiefer«. Nach tollen Drehern über Mölln geht es langsam Richtung Giesensdorf zurück. Ein kleiner Schlenker über einer Eisenbahn, die sich gerade durch den Wald schlängelt – gut gemeint von Uwe Andersen – aber mir gibt er den Rest. Ich möchte doch lieber langsam Richtung Auto und wieder sicheren Boden unter den Füßen haben. Wir nehmen Anlauf zur Landung und mein beherzter Griff zum Gestänge mildert das Aufsetzen in rasantem Tempo erheblich. Ein paar Hopser nur noch und ich bin erleichtert, dass die Erde uns wieder hat. Dieses Erlebnis ist mit Sicherheit nichts für jemanden, der sich kaum auf eine Hängebrücke traut – aber würde ich das machen? 

Seit 1996 gibt es die Motor-Gleitschirm-Gruppe Mölln. In den vergangenen Jahren wurde bereits im Fernsehen über die Gruppe berichtet und auch für 2007 hat sich eine Fernseh-Crew angemeldet. Wer seine wunderschöne Heimatstadt mit einem Air-Chopper von oben erleben oder aber vielleicht selbst eine Lizenz erwerben will, kann sich unter 0171/411 17 15 informieren.

 



abstandshalter

RSS FEED

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit dem Viebranz RSS Feed.

abstandshalter